Zucker – ein Schadstoff?

Im Juni 1988 wurde durch einen Gerichtsbeschluss entschieden, dass Zucker als Schadstoff bezeichnet werden darf. Vergeblich hatte nämlich die Zuckerindustrie gegen eine von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände herausgegebene Broschüre mit dem Titel »Schadstoff Zucker« geklagt.

In Werbeslogans und Fachblättern der Zuckerindustrie wird Zucker durch geschickte Darstellung und Argumentation als wichtiger Bestandteil der menschlichen Ernährung gepriesen. Anders lautende Urteile darüber seien wissenschaftlich nicht begründet.

Kohlenhydrate sind für den Menschen in der Tat notwendig. Sie stellen die Energie für alle biologischen Funktionen des Körpers bereit. Kohlenhydrate sind im Organismus im Gegensatz zu Fetten und Eiweißen schnell verfügbar und damit die kurzfristig einsetzbare Energiereserve.

Die Nährstoffdichte (Verhältnis von Nährstoff- zum Energiegehalt) ist jedoch bei Obst , Gemüse und Getreide weitaus höher als bei isoliertem Zucker. Mit solchen pflanzlichen Lebensmitteln nimmt man eben außer den Kohlenhydraten noch viele weitere, teilweise wertvolle Inhaltsstoffe auf. Zucker selbst ist sozusagen ein »leerer Kalorienträger«, der zur Deckung des Vitamin- und Mineralstoffbedarfs nichts beiträgt.

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Grundsätzlich ist der Mensch nicht auf reinen Zucker angewiesen. Für einen reibungslosen Stoffwechsel sind neben Energie vor allem Vitamine , Mineralstoffe , essentielle Eiweiß- und Fettbestandteile sowie Wasser und Ballaststoffe nötig. Es gibt kein natürliches Lebensmittel, außer der Muttermilch, das alle Nährstoffe in einer idealen Zusammensetzung enthält. Der hohe Energiegehalt von Zucker (400 kcal je hundert Gramm Zucker) lässt den Blutzuckerspiegel ansteigen. Um Kohlenhydrate aus dem Blut in die Körperzellen aufzunehmen, wird Insulin gebraucht. Diabetiker leiden an einer gestörten Insulinproduktion; für sie ist zuviel Zucker daher besonders problematisch.

Zucker verursacht normalerweise keine Erkrankungen, außer dass eine zu hohe Aufnahme zu Übergewicht führt, wie das auch bei Fett der Fall ist. Der geringe Sättigungsgrad, den Zucker und stark zuckerhaltige Produkte haben, verleitet zu häufiger und übermäßiger Nahrungsaufnahme und kann zur Entstehung von Adipositas (Fettsucht) beitragen. Überschüssiger Zucker wird, wenn die Kohlenhydratspeicher (Leber und Muskulatur) voll sind, als Fettgewebe gespeichert. Gleichzeitig kann bei einseitiger Ernährung mit zuviel Zucker eine Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen eintreten. Für den Abbau von Zuckern im Körper ist vor allem das Vitamin B1 notwendig.

Die Vorliebe nach süßem Geschmack ist uns sozusagen in die Wiege gelegt, denn selbst die Muttermilch enthält den Zucker Laktose. Werden dann dem Säugling oder Kleinkind noch gesüßte Speisen gegeben, wird das Bedürfnis nach Süßem weiter verstärkt. Dabei sollte die psychologische Komponente des Appetits auf süße Speisen nicht unterschätzt werden. Diese macht sich die Süßwarenwerbung sehr erfolgreich zunutze. Andererseits lässt sich durch eine bewusste Einschränkung des Verzehrs isolierter Zucker, von Süßspeisen und gesüßter Getränke das »süße« Geschmacksempfinden sensibilisieren; wir kommen dann mit weitaus weniger Zucker aus und empfinden plötzlich viele Nahrungsmittel als übersüßt.

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