Schadstoffglossar M – O

Malathion

Malathion ist ein stark giftiges Insektizid aus der Gruppe der Phosphorsäureester. Bei unsachgemäßer Anwendung mit Körperkontakt oder beim Einatmen versprühter Dämpfe können erhebliche Gesundheitsschäden auftreten. Anwendung findet das in Deutschland zugelassene Insektizid gegen saugende Insekten und Spinnmilben im Obst -, Acker- und Weinbau. Als Rückstand in Lebensmitteln hat es kaum Bedeutung.

Moschus Xylol

Moschus Xylol ist eine schwer abbaubare organische Verbindung, die im Geruch dem natürlichen Moschusduft ähnlich ist. Sie wird weltweit produziert und in der Waschmittelindustrie sowie bei der Herstellung von Kosmetika und Parfüms als billiger synthetischer Duftstoff eingesetzt. Darüber hinaus wird die Verbindung als Lockstoff in der Fischzucht verwendet.
Die hohe Stabilität dieses Duftstoffes hat dazu geführt, dass er sich mittlerweile in den Stoffkreisläufen angereichert hat, so dass er heute bereits in den meisten Süßwasserfischen, aber auch in vielen Muttermilchproben nachgewiesen werden kann. Aufgrund von durchgeführten Tierversuchen besteht ein Anfangsverdacht auf eine Kanzerogenität des Stoffes bei chronischer Zufuhr. Ein Grenzwert für die Konzentration von Moschus Xylol in Lebensmitteln existiert derzeit nicht, von Fachleuten werden 0,01 mg/kg als mögliche Höchstmenge diskutiert.

Myristicin

Myristicin kommt in der Muskatnuss und in geringen Mengen auch in Petersilie und Dillkraut vor. Vergiftungserscheinungen können bei übermäßiger Verwendung (ab 15 Gramm) von Muskatnuss auftreten; sie äußern sich in akustischen Halluzinationen und Orientierungsschwierigkeiten. Bei Aufnahme größerer Mengen kann es zu einer schweren Vergiftung mit mehrtägigem Dauerschlaf kommen.

Nickel (Ni)

Nickel wird heute hauptsächlich zur Stahlveredelung und für die Herstellung von Batterien verwendet. Die größten Nickelvorkommen finden sich auf Kuba und in den submarinen Manganknollen, die einen Nickelgehalt von 1 Prozent aufweisen. Nickel zählt zu den Spurenelementen, über deren physiologische Bedeutung bisher noch wenig bekannt ist. Der menschliche Körper enthält etwa 10 Milligramm Nickel, das hauptsächlich in Knochen, Haaren und Aorta gespeichert wird. Der Nickelbedarf eines Erwachsenen (25 bis 35 µg) wird durch die Nahrung reichlich gedeckt. Die geschätzte durchschnittliche Tagesaufnahme liegt mit etwa 300 µg Nickel weit höher. Kakao, Kakaoprodukte, Haferflocken, Kopfsalat, Möhren und Nüsse enthalten natürlicherweise höhere Gehalte an Nickel. Für die Nickelbelastung ist der Nickelgehalt des Trinkwassers entscheidend.
Die toxikologische Bedeutung von Nickel zeigt sich insbesondere in einer als »Nickeldermatitis« bezeichneten Kontaktallergie und ist in Zusammenhang mit unechtem Schmuck bekannt geworden. Heute ist die Nickelallergie die häufigste Kontaktallergie in Mitteleuropa; jede achte Frau und jeder zwanzigste Mann ist gegen Nickel sensibilisiert. Im Tierversuch erwiesen sich eine Reihe von Nickelverbindungen in Form von Stäuben als krebserregend.
Durch die Einatmung von Dämpfen mit wasserlöslichen anorganischen Nickelsalzen wurden bei Arbeitern chronischer Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündungen ausgelöst. Zweiwertige wasserlösliche Nickelverbindungen sind nicht krebserregend. Durch die Exposition gegenüber zweiwertigen wasserunlöslichen Nickelsalzen dagegen traten bei Arbeitern der Nickelindustrie Lungen- und Nasenkrebs auf. Die wichtigsten Krebserreger sind vermutlich Nickelsulfid, Nickelmonosulfid, metallisches Nickel und Nickeloxid. Auch organische, fettlösliche Nickelverbindungen sind extrem giftig; Nickeltetracarbonyl wirkt vermutlich krebserregend und embryoschädigend.

Nitrat, Nitrit und Nitrosamine

Nitrat , das Salz der Salpetersäure, ist ein wichtiger Bestandteil des Stickstoffkreislaufs unserer Biosphäre, trotzdem ist es in Verruf geraten. Hohe Nitratwerte werden in Regionen mit intensiver Land- und Weinwirtschaft nachgewiesen, da hier häufig große Mengen stickstoffreicher natürlicher Dünger (Gülle und Mist aus der Massentierhaltung ) oder mineralische Düngemittel eingesetzt werden. In Deutschland werden derzeit jährlich durchschnittlich 190 kg Stickstoff pro Hektar Ackerfläche ausgebracht. Dadurch wird dem Boden mehr Nitrat zugeführt, als von den Pflanzen aufgenommen werden kann. Das überschüssige Nitrat verbleibt im Boden und wird durch Regenwasser ausgewaschen, wodurch es schließlich ins Grundwasser gelangt. Dies führt für die Wasserwerke zu Problemen bei der Trinkwassergewinnung und zu einer Überdüngung der Gewässer mit all ihren ökologischen Folgen.
Der Nitratgehalt in Nutzpflanzen wird beeinflusst durch das Nährstoffangebot, die Anbauart (Freiland bzw. Gewächshaus), die Witterungseinflüsse (Sonnenscheindauer) und den Erntezeitpunkt. Obst und Gemüse sind mit 55 bis 60 Prozent die hauptsächlichen Nitratquellen unserer Ernährung. Nur sieben Prozent des von uns aufgenommenen Nitrates kommen aus dem Trinkwasser . Ursache für die Aufnahme von Nitrit ist in erster Linie der Verzehr von gepökeltem Fleisch.
Bei der toxikologischen Bewertung von Nitrat werden folgende Unterscheidungen getroffen:

Die Primärtoxizität ist die direkt durch Nitrat verursachte Giftigkeit für den menschlichen Organismus , sie ist gering, was mit der schnellen Elimination durch die Nieren zusammenhängt.

Die Sekundärtoxizität ist durch das aus Nitrat gebildete Nitrit bedingt. Wie viel Nitrit entsteht, ist jedoch abhängig vom Alter und der individuellen Stoffwechsellage einer Person. Die Umwandlungsrate kann sich erhöhen, wenn durch unsachgemäße Lagerung oder Zubereitung die Anzahl der reduzierenden Keime im Lebensmittel erhöht wird. Vor allem das lange Warmhalten und Wiederaufwärmen von Säuglingsnahrung sollte vermieden werden. Die Giftigkeit von Nitrit beruht auf der Eigenschaft, den Blutfarbstoff Hämoglobin für die Sauerstoffaufnahme zu blockieren. Die vom Sauerstoffmangel herrührenden blauen Lippen gaben dieser Vergiftung ihren Namen: Blausucht (Methämoglobinämie). Sie tritt insbesondere bei Säuglingen in den ersten sechs Monaten auf, denen eine Wiederherstellung des Hämoglobins schwer fällt. Auch für Menschen mit krankhafter Veränderung der Darmflora besteht ein erhöhtes Risiko, an Methämoglobinämie zu erkranken.

Die Tertiärtoxizität des Nitrats wird durch die toxische Wirkung von Nitrosaminen, einer Gruppe organischer Verbindungen, die sich aus Nitrit und Aminen bilden können, hervorgerufen. Die Entstehung von Nitrosaminen ist abhängig von der aufgenommenen Nitrat- und Aminmenge sowie individuellspezifischen Bedingungen (Darmflora, saures Milieu). Nach heutigen Erkenntnissen zählen Nitrosaminverbindungen zu den gefährlichsten Krebserregern. Von den rund 300 untersuchten Nitrosaminen haben sich 90 Prozent im Tierversuch als krebserregend erwiesen. Die direkte Nitrosaminaufnahme durch Milch , Fisch oder Käse ist wesentlich geringer als die im Körper entstehenden Nitrosamine . Festzuhalten bleibt, dass die Belastung mit Nitrosaminen durch eine verbesserte Kühlung und die Verminderung von Nitrit bei der Fleischwarenherstellung zurückgegangen ist.


Oxalsäure

Freie Oxalsäure bildet mit Calcium ein unlösliches Salz, das aus dem Magen-Darm-Trakt nicht resorbiert werden kann. Hierdurch wird der aufgenommenen Nahrung Calcium entzogen. Bei hoher Belastung mit Oxalat treten Kristalle in den Harnkanälchen auf, die die Bildung von Nierensteinen fördern. Hohe Oxalatgehalte weisen rote Bete, Rhabarber, Spinat, Sauerklee, Mangold und Kakao auf. So enthalten beispielsweise 100 Gramm Spinat etwa 550 mg Oxalat. Das Oxalat dieser Menge Spinat bindet nicht nur dessen gesamtes Calcium, sondern zusätzlich den Calciumgehalt von etwa 100 Gramm Milch. Spinat ist daher nur bedingt zur Säuglingsernährung geeignet.

Stand: September 2010

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