Pestizide im Weinanbau

Auch im Weinbau gibt es Strukturkrisen wie in anderen Bereichen der Landwirtschaft: Kleine Betriebe sind kaum noch rentabel und werden oft nur noch zum Nebenerwerb geführt. Die Folge ist eine Konzentration auf einige wenige große Weinerzeuger. Diese Großbetriebe setzen auf die Mechanisierung des Weinbaus, welche zwar die Produktivität erheblich steigern kann, aber gleichzeitig zu schlechteren Qualitäten führt.

Für die übrigen Winzer ist die Ertragssituation äußerst ungünstig: Die Preise für Wein fallen immer weiter, obwohl die Herstellungskosten steigen. Die Weinbaufläche sinkt, vor allem in den Lagen mit steilen Hängen, die man kaum noch kostendeckend bewirtschaften kann. Viele Weinbauern sehen ihre einzige Marktchance darin, bessere Weinqualitäten anzubieten, mit Spezialitäten ihr Angebot interessant zu machen und durch Direktvermarktung zu günstigen Preisen anbieten zu können.

Die systematische Anwendung von Pestiziden begann Mitte des vorigen Jahrhunderts. Nachdem der Echte Mehltau um 1845 eingeschleppt worden war, setzte man ab 1848 gepulverten Schwefel gegen diesen Schädling ein. 1885 verwendete man gegen die eingeschleppte Peronospora eine Kupfervitriol-Kalkbrühe, auch Bordeauxbrühe genannt. Weitere lange Zeit verbreitete Schädlingsbekämpfungsmittel waren Arsenpräparate.

Während man früher nach dem Motto »viel hilft viel« häufig sehr große Pestizidmengen ausbrachte, können diese heute genauer dosiert und zum Zeitpunkt ihrer größten Wirksamkeit zur Anwendung kommen. Ihre schädliche Wirkung auf die wichtigsten Nützlinge sind nur teilweise bekannt; auch heute werden diese noch durch bestimmte Präparate geschädigt. 1982 waren noch 80 Pestizidwirkstoffe zugelassen, inzwischen (1990) sind weitere 41 Wirkstoffe hinzugekommen. Alle diese Substanzen werden vor ihrer Zulassung auf toxische Wirkungen untersucht, wobei die Vorschriften im Laufe der Jahre immer strenger wurden.

Das allgemein gestiegene Umweltbewusstsein und die Gefahren für die Trinkwasserversorgung in den klassischen Weinbaugebieten haben dazu geführt, dass im traditionellen Weinbau neue Wege beschritten wurden. So wird heute die Nitratauswaschung durch optimalen Düngerzeitpunkt und Mengendosierung weitestgehend reduziert. Die Einrichtung von Schädlingswarndiensten hat die Zahl der Fungizidbehandlungen vermindert, und der Einsatz von Duftlockstoffen hat die Vermehrung von Schädlingen stark eingeschränkt.

Inzwischen kündigt sich das Comeback einiger als ausgerottet geltender Schädlinge an. Eigentlich hielt man die Reblaus für besiegt; so wurde 1986 das Reblausgesetz aus dem Jahre 1904 abgeschafft. Doch heute ist die Reblaus in deutschen Weinanbaugebieten wieder auf dem Vormarsch. Immer häufiger werden an Rhein und Main Nester der Reblaus in den Weinblättern gesichtet. Die Insekten verbreiten sich schnell, und der Wind trägt sie über weite Entfernungen ins nächste Anbaugebiet. Bereits 1993 waren wieder rund 150 Hektar Weinanbaufläche mit den Nestern der Reblaus verseucht.

Fachleute machen die Überzüchtung der Reben für die große Anfälligkeit der Weinstöcke gegenüber dem erneuten Auftreten der Reblaus verantwortlich. Schließlich sind die natürlichen Resistenzen bei hohem Sortenalter von bis zu 500 Jahren verloren gegangen. Aber auch Veränderungen im Erbgut der Reblaus könnten die Ursache sein

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