Handel zu fairen Bedingungen

Bisher wurde fairer Kaffee nur in den so genannten Eine-Welt-Läden, in kirchlichen Einrichtungen und Solidaritätsgruppen verkauft. Vorwiegend Gleichgesinnte wurden mit diesem Vertriebssystem erreicht. Inzwischen wird fairer Kaffee auch in den Supermärkten angeboten. Entscheidenden Einfluss hierauf hatte der in Köln ansässige Verein »TransFair«, der sich aus Verbraucherorganisationen, kirchlichen Trägern und einer Stiftung zusammensetzt und zum Ziel hat, fairen Kaffee auch in den Regalen der Einzelhandelskonzerne anzubieten. Nach anfänglich zögerlicher Markteinführung bekommt man diesen Kaffee mit dem Siegel von TransFair inzwischen in rund 20.000 Supermärkten.

Grund für die Initiative ist die immer schlechter werdende Ertragssituation für die Erzeuger in den Kaffeeanbaustaaten. Der Kaffeepreis auf dem Weltmarkt ist von 126 Dollar je 60-kg-Sack auf knapp 50 Dollar gefallen. Auch in den Geschäften war dies spürbar. Kaffee wurde immer billiger angeboten; Ende 1993 lag der Preis für das Pfund Kaffee unter 5 DM, was im Vergleich zu 1980 real fünfmal weniger ist. Erst in allerjüngster Zeit wurde der Kaffee aufgrund hoher Ernteausfälle in den Erzeugerländern für den Verbraucher wieder teurer.

Eigentlich ist Kaffee ein typisches Kleinbauernprodukt: In Mittelamerika haben die Pflanzungen eine Größe von 5 bis 30 Hektar, in Afrika oft nur von 2 Hektar. Die Kleinbauern sind häufig in Genossenschaften zusammengeschlossen, wo sie ihren Kaffee gemeinsam verarbeiten und vermarkten. Pflanzer in Ruanda und Costa Rica müssen heute froh sein, wenn sie umgerechnet gerade noch eine Mark für das Pfund Kaffee erzielen. Die Folge ist, dass die Bauern ihre Ernteerträge mit allen Mitteln steigern müssen. Das geht zu Lasten der Plantage und der Kaffeequalität, und auf Dauer wird der Kaffeeanbau für die Kleinbauern vollends unrentabel. In Kolumbien hat der niedrige Kaffeepreis dazu geführt, dass wieder vermehrt Kokain angebaut wird.

Kaum ein anderes Produkt der Dritten Welt ist neben Erdöl so bedeutend wie die Kaffeebohne. Rund 70 Millionen Sack zu 60 kg werden jährlich exportiert; etwa 100 Millionen Menschen finden hier Arbeit. Die Bundesrepublik Deutschland ist mit rund 600.000 Tonnen der zweitgrößte Kaffeeimporteur der Welt.

Das Kaffeeprojekt der Schweizer Genossenschaft Migros mit fairem Kaffee zeigte unerwartete Erfolge. Trotz eines zwanzigprozentigen Solidaritätszuschlags wurden innerhalb eines halben Jahres rund 500.000 Pakete Kaffee verkauft. Noch erfolgreicher ist Max Havelaar in seiner Heimat, den Niederlanden. Hier hat fairer Kaffee bereits einen Marktanteil von 3,5 Prozent erreicht. Im Gegensatz zu Max Havelaar will sich TransFair jedoch nicht auf Kaffee allein beschränken; auch Produkte wie Tee und Kakao sollen unter dem TransFair-Siegel folgen. Für TransFair waren die Erfolge in der Schweiz und Holland Ansporn, unter ähnlichen Bedingungen ein Kaffeeprojekt zu starten.

Ziel der Bemühungen ist, den Zwischenhandel im Kaffeegeschäft auszuschalten, so daß die am Projekt beteiligten Kleinbauern das Doppelte des Weltmarktpreises bekommen. Dafür bezahlt der Verbraucher in Deutschland etwa zwei Mark mehr pro Pfund, das macht pro Tasse gerade mal drei Pfennig aus.

TransFair gibt den Kaffeeröstern ein Produzentenregister mit rund 500.000 Kleinbauern in 15 verschiedenen Ländern, bei denen Rohkaffee bezogen werden muss. Die Röstereien verpflichteten sich, langfristige Verträge zu schließen und 60 Prozent des Preises im Voraus zu zahlen. TransFair selbst möchte die Kontrollfunktionen und die Aufklärungsarbeit übernehmen; schließlich arbeitet der Einzelhandel nicht nach gemeinnützigen Kriterien. Das Konzept von TransFair scheint aufzugehen, und erste Lizenzen sollen auch nach Italien und Österreich vergeben werden.

Den 500.000 beteiligten Bauern konnten 1993 immerhin etwa 10 Millionen DM Mehreinnahmen zufließen; allein in Deutschland wurden rund 6 Millionen Pakete verkauft. 1994 sollen 10 Millionen Pakete verkauft werden, das entspricht dann einem Anteil am deutschen Kaffeemarkt von etwa 1 Prozent.

Aber auch in den Erzeugerländern macht man sich inzwischen Gedanken um die Ertragslage: Mitte 1993 kündigten die Kaffeeanbauländer Lateinamerikas und Afrikas an, bei der nächsten Ernte 20 Prozent der Kaffee-Ernte in den Lagerhäusern zu belassen.

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