DDT – eine unendliche Geschichte

Chlororganische Verbindungen, wie das 1971 verbotene DDT und das noch immer erlaubte Lindan, besitzen eine sehr hohe Halbwertszeit, das heißt, sie sind nur schwer abbaubar und lassen sich noch Jahre nach ihrer Anwendung nachweisen. Wie beim Methylquecksilber kommt es zu einer Anreicherung über die Nahrungskette. Von Glied zu Glied dieser Kette erreicht der Schadstoff immer höhere Konzentrationen. Die Belastung am Ende der Nahrungskette ist manchmal um den Faktor 10.000 höher als ursprünglich.

Als gegen Ende des Zweiten Weltkrieges DDT entwickelt wurde, glaubte man zunächst, ein wahres Wundermittel gegen Insekten gefunden zu haben. Es war ausgesprochen billig herzustellen, sehr breit anwendbar und übertraf in seiner Wirksamkeit alle bis dahin üblichen Mittel; dank des Einsatzes von DDT gelang es in einigen Ländern, die Malaria wirksam einzudämmen. An eine Gefahr für den Menschen dachte man nicht; bedenkenlos behandelte man die aus der Gefangenschaft heimkehrenden Soldaten mit DDT gegen Ungeziefer. Erst viel später erkannte man die Gefahren. Überall ließen sich DDT-Rückstände in ständig steigenden Konzentrationen nachweisen, in den Eiern von Raubvögeln genauso wie in der Muttermilch. 1971 zog man daraus schließlich die Konsequenzen und untersagte die Herstellung und Anwendung von DDT in Deutschland. Aber noch heutzutage werden die Höchstmengen für DDT in Fischen bisweilen überschritten.

Dabei sind die DDT-Höchstmengen sehr umstritten, denn sie können allenfalls ein Kompromiss zwischen dem Gesundheitsinteresse des Bürgers und dem Verkaufsinteresse der Fischindustrie sein. Die früheren extrem hohen Werte mit bis zu 10 mg DDT/kg in Meeresfischen lassen sich heute allerdings nicht mehr finden. Neuere Untersuchungen zeigen einen Rückgang der DDT-Konzentrationen. Da sich DDT wie andere Organochlorver-bindungen vornehmlich im Fettgewebe anreichert, sind hohe Rückstände besonders in fettreichen Fischen »zu erwarten; so ist die Belastung von Aalen häufig um ein Vielfaches höher als bei Magerfischen. Stark angereichert sind die Rückstände in Fischleber; Dorschleber musste häufig wegen zu hoher DDT-Werte aus dem Handel gezogen werden.

Fische aus den Fanggründen der Hochseefischer bleiben deutlich unter den gesetzlich festgelegten Höchstmengen; bei Ostseefischen aber ist die Belastung durch DDT höher, wobei allerdings Grenzwertüberschreitungen auch hier nicht festgestellt wurden. Aus der Welt ist dieser Schadstoff aber noch lange nicht, zumal DDT in einigen Ländern immer noch massiv – und sicherlich nicht nur zur Bekämpfung der Malaria – eingesetzt wird.

Eine Vielzahl neuerer insektizider Wirkstoffe unterliegt derzeit keiner Anwendungsbeschränkung, obwohl sie kaum weniger gefährlich sind; während DDT lange Zeit im Blickpunkt öffentlicher Kritik stand und von vielen Forschern untersucht wurde, ist über die Giftigkeit und Wirkung anderer Schadstoffe weit weniger bekannt.

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