Getreide, Reis und Brot

Getreide ist seit alters der wichtigste Energielieferant für die Ernährung im abendländischen Kulturraum. Gerste war die erste systematisch angebaute Getreideart, bereits 5000 v. Chr. wurde sie von den Sumerern und Ägyptern kultiviert. 

Auch Weizen ist eine alte Kulturpflanze, deren Anbau in den gemäßigten Zonen entwickelt wurde. Dabei handelte es sich meist um Hartweizen, der heute mit nur noch rund zehn Prozent am gesamten Weltweizenanbau beteiligt ist und besonders zur Herstellung von Teigwaren und Cous Cous eingesetzt wird. Früher wurden Roggen und Hafer als unerwünschte Unkräuter im Weizenanbau bekämpft, bis man erkannte, dass sie ähnlich nahrhaft sind.

Dinkel (Spelzweizen oder „Schwabenkorn“) erlebt derzeit im ökologischen Landbau eine Renaissance; wurde er bisher nur regional in Süddeutschland angebaut, so ist er inzwischen bundesweit verbreitet.  Quinoa (Inkareis oder Reisspinat) und Amarant, die botanisch gesehen nicht zu den Getreidesorten zählen, sind hirseähnliche Körnerfrüchte, die der Andenbevölkerung in Bolivien, Chile und Peru als Grundnahrungsmittel dienen und in den letzten Jahren auch hierzulande Einzug in die Naturkostbranche gehalten haben.

Reis wird in tropischen und subtropischen Regionen angebaut und liegt in der Weltjahresproduktion der Getreide nach
Mais und Weizen an dritter Stelle. Seit etwa 3000 v. Chr. wird Reis kultiviert, ob ursprünglich in China oder Indien, ist ungeklärt. Von dort hat sich der Reisanbau über den gesamten asiatischen Raum ausgebreitet und wurde ab etwa 800 v. Chr. auch im Mittelmeerraum betrieben. Im 15. Jahrhundert wurde in Italien (Poebene) und in Frankreich (Camargue) erstmals Reis angebaut, wenig später sogar in Südengland. Ende des 17. Jahrhunderts wurde Reis in die Neue Welt, nach Nordamerika und Brasilien, ausgeführt.  Heute stammt der größte Teil der Weltproduktion aus den Staaten Ostasiens, wo Reis als Grundnahrungsmittel eine bedeutende Rolle spielt.  Im heutigen Europa wird Reis vor allem in Italien, Portugal und Spanien angebaut. 

Im Wirtschaftsjahr 2007/08 lag der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch in der Bundesrepublik für Getreide bei gut 88,6 Kilogramm. Derzeit werden rund 58 Prozent der Ackerflächen in Deutschland mit Getreide bebaut. Anders als Reis, Mais, Gerste, Hirse, Buchweizen und Hafer dienen Weizen und Roggen auch als Brotgetreide. Der deutsche Getreideverbrauch beträgt über 37 Millionen Tonnen im Jahr 2008, wovon ein knappes Viertel vom Menschen verzehrt, aber mehr als 60 Prozent an Schlachttiere verfüttert wurde. Das restliche Getreide wird von der Industrie zu Alkohol oder Getreidestärke für die Herstellung von Papier verarbeitet oder exportiert. 

Stand: Oktober 2010

Seiten zum Kapitel Getreide, Reis und Brot:

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