Äpfel – wirklich aus deutschen Landen?

In Deutschland gibt es schätzungsweise 16 Millionen Apfelbäume. Viele Apfelsorten, insbesondere ältere, eignen sich nicht für den erwerbsmäßigen Anbau. Nur etwa 20 Sorten haben größere Bedeutung am Markt. Rund 35 Kilogramm Äpfel verzehrt jeder Bundesbürger durchschnittlich im Jahr, damit ist der Apfel hierzulande das mengenmäßig beliebteste Obst.

Etwa 60 Prozent der verzehrten Äpfel stammen aus deutschen Anbaugebieten. Doch heimische Äpfel sind nicht mehr so gefragt, meldete kürzlich der deutsche Bauernverband. Bevor ein konventionell angebauter Apfel in die Hände des Verbrauchers kommt, hat er bereits einige Be-handlungen hinter sich. Üblich sind: eine Nachwinterspritzung, zwei Vorblütespritzungen, eine Blütespritzung, zwei Nachblütespritzungen sowie zwei Obstmadenspritzungen. Zusätzlich werden häufig auch noch Schorf- und Lagerspritzungen durchgeführt. Sollte der Apfel trotz aller Behandlung eine braune Schale bekommen, dann hilft ein Tauchbad in Antioxidantien.

 

Der Vitamin-C-Gehalt von Apfelsorten

Vitamin-C-reiche Apfelsorten Vitamin-C-Gehalt (Ascorbinsäure in mg/100 g Frischsubstanz) Vitamin-C-arme Apfelsorten Vitamin-C-Gehalt

(Ascorbinsäure in mg/100 g Frischsubstanz)

Apfel aus Croncels 26,4 Cox Orange 10,5
Gelber Erdapfel 25,1 Jonathan 8,8
Berlepsch 23,5 Golden Delicius 8,0
Ananasrenette 21,1 Gravensteiner 7,8
Ontario 20,6 James Grieve 6,8
Wintergoldparmäne 18,1 Minister von Hammerstein 5,1
Boskop 16,4 Landsberger Renette 4,7
Baumanns Renette 16,2 Prinzenapfel 4,5
Weißer Klarapfel 15,3 Morgenduft 3,6
Kaiser Wilhelm 14,9 Belfort 2,9

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände 1975

 

Viele Menschen kaufen Obst nur »mit den Augen«, weil sie glauben, daß ein schöner Apfel auch gut schmecke und von hohem Nährwert sei. Diesem Bedürfnis des Konsumenten nach optisch gefälligen Produkten kommt die EU-Handelsklasseneinteilung sehr weit entgegen.

Danach müssen Äpfel, die in den Handel kommen, einen Durchmesser von mehr als 55 Millimetern haben, sie müssen einwandfrei apfelrund sein und sollen keine Stiel- und Schalenfehler haben, sonst dürfen sie nicht in dieser Handelsklasse verkauft werden. Diese unsinnigen Qualitätsnormen und Güteklassen für Äpfel gelten seit 1991 EU-weit. Die so genannte Güteklasse kann man eher als eine Aufforderung zur optischen Täuschung bezeichnen, werden doch nur die äußerlichen und nicht die qualitativen Merkmale eines Apfels zur Beurteilung herangezogen.

Mit Äpfeln wird auch viel Etikettenschwindel betrieben: Beispielsweise steht die Herkunftsbezeichnung »Altländer Äpfel« für eine Obstanbauregion bei Hamburg, in der Äpfel der hochqualitativen Sorten Elstar oder Jonagold angebaut werden. Diese Äpfel gelten als besonders vitaminreich und wohlschmeckend, und sie werden umweltschonend mit weniger Chemie produziert. Wie sich Ende 1993 herausstellte, wurden wiederholt Äpfel aus den Niederlanden als »Altländer Äpfel« verkauft. Niederländische Äpfel werden teilweise mit Pilzbekämpfungsmitteln und Wachstumsregulatoren behandelt, die in Deutschland verboten sind. Zwei Handelsfirmen hatten niederländische Äpfel in deutsche Kisten umgepackt und gute Gewinne erzielt; schließlich kosten die niederländischen Äpfel 35 Pfennig pro Kilogramm, während man für »Altländer Äpfel« gut das Fünffache hinlegen muss.

Seit Anfang 1991 dürfen in Deutschland auch gewachste Äpfel verkauft werden. Obwohl Äpfel nach deutschem Recht nicht gewachst werden dürfen, müssen gewachste Äpfel aus anderen EU-Staaten zum Verkauf in Deutschland zugelassen werden. Als künstliches Wachsüberzugsmittel werden Bienenwachs, Carnaubawachs, Candellila, Schellack, Montanwachse bzw. Paraffine usw. eingesetzt. Der Import gewachster Äpfel wird möglich durch das Prinzip der gegenseitigen Anerkennung im europäischen Binnenmarkt. Solange keine einheitlichen, europäischen Regeln für Zusatzstoffe in Lebensmitteln bestehen, gilt folgende Regelung: Ist ein Lebensmittel mit einem Zusatzstoff in einem Mitgliedsstaat zugelassen, muss das Lebensmittel auch in den anderen Staaten zum Verkehr zugelassen werden (Artikel 30 des EWG-Vertrages). Dabei sind die verwendeten Wachse eher ein untergeordnetes Problem, da diese Wachse in Deutschland für andere Zwecke erlaubt sind, wie beispielsweise bei der Herstellung von Konfekt. Auf Äpfeln erschweren sie allerdings ein gründliches Waschen, da auf der Oberfläche befindliche Schadstoffe sich durch das wasserabweisende Wachs nur schwer entfernen lassen.

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